Zahnhygiene und bedürfnisorientierte Pädagogik
Zahnhygiene und bedürfnisorientierte Pädagogik
Erarbeitet unter Mitwirkung von be kind – Fachberatung für Kita und Schule
Hintergrund
Seit der Änderung des KitaFöG Ende 2025 ist das tägliche Zähneputzen in allen Berliner Kitas verpflichtend. Es ist damit Teil des Bildungs- und Gesundheitsauftrags der Einrichtung. Empfehlungen für die organisatorische und räumliche Umsetzung haben die Fachdienste Zahnärztlicher Dienst und Hygiene des Landes Berlin im März 2026 veröffentlicht.
Warum ist das tägliche Zähneputzen in der Kita wichtig für Kinder?Ziel des täglichen Zähneputzens in der Kita sind nicht nur die sauberen Zähne. Es ist auch das Einüben eines Rituals, welches die Kinder ihr Leben lang begleiten soll und welches sie möglichst mit positiven Gefühlen besetzen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Chancengleichheit.
Nicht alle Kinder erleben zu Hause ein Vorbild für regelmäßiges Zähneputzen. Die Kita bietet hier die Möglichkeit, allen Kindern – unabhängig von ihrem familiären Umfeld – die Grundlagen für ein gesundes Aufwachsen mitzugeben. Denn gesunde Zähne sind essenziell für die Entwicklung und das Wohlbefinden der Kinder: Schmerzende Zähne können die Teilhabe am Kita-Alltag stark beeinträchtigen, fehlende Zähne begünstigen Kieferfehlstellungen und behin- dern die sprachliche Entwicklung. Durch das gemeinsame Zähneputzen legen Sie also nicht nur den Grundstein für eine gute Zahngesundheit, sondern unterstützen die Kinder auch in ihrer sozialen und sprachlichen Entwicklung.
Pädagogische Handlungsempfehlungen
Die tägliche Zahnpflege und eine bedürfnisorientierte kindzentrierte Pädagogik im Einklang mit dem Berliner Bildungsprogramm stehen nicht im Widerspruch. Entscheidend ist die professionelle Haltung: Bedürfnisse wahrnehmen und ernst nehmen, zugleich verlässlich Verant- wortung übernehmen.
Übergang gestalten
Damit der Übergang vom Essen zum Zähneputzen gut gelingt, sollte er allmählich und im Tempo des Kindes erfolgen. Sie können den Kindern beispielsweise eine Ankündigung geben – durch ein Lied, einen Gong oder eine visuelle Hilfe wie eine Sanduhr. So haben sie Zeit, sich innerlich vom Essen zu verabschieden und sich auf das Zähneputzen einzustellen.
Um Hektik zu vermeiden, bietet es sich an, den Übergang in Kleingruppen zu organisieren: Nicht alle Kinder müssen gleichzeitig ins Bad gehen. Stattdessen können sie nacheinander oder in kleinen Gruppen aufbrechen, während die anderen noch in Ruhe ihre Mahlzeit oder auch Tischgespräche beenden.
Beziehung herstellen
Ein gelungenes Zähneputzen beginnt mit einer persönlichen Verbindung. Nehmen Sie sich vor dem Putzen einen kurzen Moment Zeit, um Blickkontakt aufzunehmen und das Kind bei Bedarf persönlich anzusprechen. Diese kleine Aufmerksamkeit signalisiert: „Ich sehe dich und nehme dich ernst.“ So fühlt sich das Kind eingeladen und kann eher an dem gemeinsamen Angebot teilnehmen.
Rituale stärken Ein fester, immer wiederkehrender Ablauf gibt den Kindern Sicherheit und erleichtert die Ko operation. Ein Lied, ein Vers oder ein gemeinsamer Countdown können das tägliche Zähne putzen bereichern. Rituale schaffen Vertrautheit und machen das Putzen zu einem gewohnten Teil des Kita-Tages.
Klare, ruhige und feinfühlige Führung
Das Zähneputzen ist ein fester Bestandteil des Kita-Alltags und findet verlässlich statt. Als Fachkraft geben Sie dabei durch Ihre ruhige, konsequente und wertschätzende Art Sicher heit. Klare Abläufe und eine freundliche, bestimmte Ansprache helfen den Kindern, sich auf das Ritual einzulassen.
Putzen Sie mit den Kindern zusammen und seien Sie ihnen dadurch positives Vorbild. Denn es soll ja nicht der Eindruck entstehen, Zähneputzen sei nur etwas für Kinder!
Mitbestimmung ermöglichen
Kinder genießen es, selbst entscheiden zu dürfen. Bieten Sie ihnen Wahlmöglichkeiten an: Welche Zahnpasta möchtest du heute? Wo möchtest du am Waschbecken stehen? Oder: Möchtest du heute der „Vorputzer“ sein und den anderen zeigen, wie es geht? Kleine Dienste, die Kinder im Zusammenhang mit dem Zähneputzen übernehmen, stärken das Verantwortungsbewusstsein und machen das Zähneputzen zu einem gemeinsamen Erlebnis.
Selbstwirksamkeitserlebnisse schaffen
Kinder sind stolz, wenn sie etwas selbst bewirken können. Schlagen Sie ihnen vor, vor und nach dem Putzen mit der Zunge über die Zähne zu fahren: „Spürst du, wie glatt sie jetzt sind?“ Diese kleine Übung macht den Erfolg des Putzens direkt erlebbar und motiviert die Kinder, es beim nächsten Mal wieder so zu machen. Wenn Kinder spüren, dass ihr Handeln wirkt, entwickeln sie Freude an der eigenen Fürsorge.
Was, wenn ein Kind nicht Zähne putzen will?
Während pädagogische Fachkräfte in Berliner Kitas dazu verpflichtet sind, das Zähneputzen täglich anzubieten, gelingt es Kindern nicht in jeder Situation, sich darauf einzulassen. Das Zähneputzen bleibt jedoch ein fester Bestandteil des Kita-Alltags und wird verlässlich wieder aufgegriffen.
Wenn Kinder das Zähneputzen ablehnen, gibt es dafür meist nachvollziehbare Gründe - etwa der nicht bewältigte Übergang, Müdigkeit, Überforderung und damit verbundene Ängste oder Unsicherheiten, der Wunsch nach Selbstbestimmung, sensorische Empfindlichkeiten oder auch andere Hemmnisse, die sich nicht sofort erschließen.
Zeigen Sie Verständnis, indem Sie die Gefühle des Kindes spiegeln – zum Beispiel mit einem Satz wie: „Du möchtest gerade nicht Zähneputzen. Das sehe ich.“ Gehen Sie mit dem Kind ins Gespräch und überlegen Sie gemeinsam, wie das Zähneputzen gestaltet sein müsste, damit es ein angenehmes Erlebnis ist. Vielleicht ist auch der Moment nicht der richtige: Vereinbaren Sie mit dem Kind, wann es stattdessen seine Zähne putzen möchte.
Landesarbeitsgemeinschaft Berlin zur Verhütung von Zahnerkrankungen (Gruppenprophylaxe) e.V.
Fritschestraße 27-28
10585 Berlin
Tel.: 030/3640660 - 0
info@lag-berlin.de
www.lag-berlin.de
be kind
Fachberatung für Kita und Schule
Gontardstr. 11
10178 Berlin
Tel.: 030/408172527
info@be-kind.de
www.be-kind.de